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Alle Jahre wieder - Steigende Arbeitslosigkeit im Juli 

Die Entwicklung des Arbeitsmarktes im Juli 2002

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Nach wie vor konjunkturell ungünstige Tendenz

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Saisonbereinigt: Arbeitslosigkeit weiter gestiegen,

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Beschäftigung erneut gesunken

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Gesamtwirtschaftliches Stellenangebot rückläufig

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Voraussichtlich 130.000 Hilfen für Existenzgründer im Jahr 2002

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Rund 100.000 Mobilitätshilfen im bisherigen Jahresverlauf

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Ausbildungsstellenmarkt zunehmend angespannt

Die Arbeitslosigkeit in Deutschland hat im Juli, wie immer um diese Zeit, vor allem jahreszeitlich bedingt zugenommen, und zwar um 92.600 auf 4.046.900. Der Anstieg konzentrierte sich auf die alten Länder (+75.900 auf 2.636.200). Da er größer war als vor Jahresfrist, lag die Arbeitslosenzahl dort erneut deutlicher über dem Vorjahresstand (+191.100).

In den neuen Ländern erhöhte sich die Arbeitslosigkeit vergleichsweise wenig (+16.700 auf 1.410.700), vor allem weil aufgrund des frühen Beginns der Sommerferien in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen die Sommerpause in den neuen Ländern bereits im Juni eingesetzt hatte. Infolgedessen lag die Arbeitslosigkeit im Osten zuletzt weniger über dem Niveau des Vorjahres (+57.200).

Der regelmäßig starke Anstieg der Arbeitslosenzahl im Juli beruht vor allem darauf, dass sich in diesem Monat sehr viele Jugendliche nach Abschluss schulischer oder betrieblicher Ausbildungen arbeitslos melden. Die Arbeitslosigkeit Jüngerer verringert sich dann aber im September und Oktober wieder deutlich, auch infolge von Einstellungen nach der Sommerpause. Außerdem nimmt in den Sommermonaten ferienbedingt die Entlastungswirkung beruflicher Weiterbildung spürbar ab. Darüber hinaus wird im Juli die Arbeitslosigkeit durch urlaubs- und quartalsbedingte Beendigungen von Beschäftigungsverhältnissen belastet, denen nicht entsprechend viele Arbeitsaufnahmen von Arbeitslosen gegenüberstehen. Zwar werden in der Ferienzeit zahlreiche Aushilfen als Urlaubsvertretungen oder im Tourismus eingestellt, häufig in geringfügige Beschäftigung. Aber dabei handelt es sich überwiegend um Nichtarbeitslose (Schüler, Studenten usw.), sodass sich dadurch Arbeitslosigkeit nicht verringert. Einstellungen von Arbeitslosen in voll sozialversicherungspflichtige Beschäftigung werden dagegen oft bis nach den Ferien aufgeschoben. Dementsprechend nimmt auch die Zahl der voll sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Juli üblicherweise etwas ab.

Die Arbeitslosenquote, bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen, belief sich im Juli auf 9,7 Prozent. Im Westen war sie mit 7,8 Prozent weniger als halb so hoch wie im Osten; dort betrug sie 18,0 Prozent. Die Zahl der Erwerbstätigen hat sich, nach vorläufigen Schätzungen des Statistischen Bundesamtes, im Mai um rund 70.000 auf 38,72 Millionen erhöht. Eine Zunahme in diesem Monat ist üblich, aber dieses Mal war sie deutlich schwächer als in früheren Jahren, auch als im letzten. Folglich lag die Beschäftigung erneut stärker unter dem Vorjahresstand, nämlich um rund 220.000.

In den saisonbereinigten Veränderungen von Arbeitslosigkeit und Beschäftigung spiegelt sich die konjunkturell ungünstige Tendenz am Arbeitsmarkt wider. So hat sich die Arbeitslosenzahl im Juli saisonbereinigt um 8.000 erhöht, nach +42.000 im Juni. Dieser Unterschied beruht großenteils auf dem relativ frühen Beginn der Schulferien in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Derartige Verschiebungen können vom Saisonbereinigungsverfahren nicht berücksichtigt werden. Deshalb verringerte sich in den neuen Ländern die saisonbereinigte Arbeitslosigkeit zuletzt sogar um 10.000, nach einer Zunahme um 26.000 im Vormonat. Rechnet man Juni und Juli zusammen, ergibt sich bundesweit ein durchschnittlicher Anstieg von 25.000.

Die Zahl der Erwerbstätigen ist im Mai saisonbereinigt um 33.000 gesunken, nach -3.000 im April. Dieser Unterschied ist auch im Zusammenhang mit außergewöhnlichen Schwankungen in der Zahl der Soldaten infolge von Veränderungen bei den Einberufungsterminen zu sehen.

Die Zugänge in Arbeitslosigkeit waren weiterhin stark. So meldeten sich im Juli 694.400 Personen arbeitslos, 3 Prozent mehr als vor einem Jahr. Zugänge aus regulärer Beschäftigung nahmen besonders zu (+12 Prozent auf 284.900), vor allem im Westen (+16 Prozent auf 215.300).

Auf der anderen Seite waren auch die Abgänge aus Arbeitslosigkeit recht lebhaft. Im Juli beendeten 606.600 Personen ihre Arbeitslosigkeit, 8 Prozent mehr als vor einem Jahr. Aber dieser Anstieg beruht im Wesentlichen auf mehr Abmeldungen in sonstige Nichterwerbstätigkeit (+12 Prozent auf 273.400). So gab es im Juli besonders viele Abgänge wegen Nichterneuerung der Meldung oder fehlender Mitwirkung sowie in den vorruhestandsähnlichen Status eines Leistungsempfängers gem. § 428 SGB III (+29 Prozent auf 119.200 bzw. +141 Prozent auf 13.700), außerdem mehr Abmeldungen aus sonstigen Gründen oder ohne Nachweis (+18 Prozent auf 39.500). Hier wirkt sich das Job-AQTIV-Gesetz aus, das auch die Möglichkeiten, die Vermittlungsbereitschaft zu testen, verbessert hat.

Der Stellenbestand hat sich weiter deutlich ermäßigt, vor allem im Westen, wo er saisonbereinigt um 10.000 abnahm. Bundesweit waren im Juli 471.300 Angebote gemeldet; dies waren 10 Prozent weniger als vor Jahresfrist (Westen: -12 Prozent auf 398.300; Osten: +6 Prozent auf 73.000).

Nach der jüngsten Repräsentativ-Erhebung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung lag der gesamtwirtschaftliche Stellenbestand im Herbst 2001 in Folge der konjunkturellen Abkühlung mit 1,16 Mio um 300.000 unter dem Stand des Vorjahres. Die Abnahme konzentrierte sich auf Westdeutschland und betraf fast ausschließlich die sofort zu besetzenden Stellen (sogenannte Vakanzen). Diese Entwicklung dürfte sich in der ersten Hälfte diesen Jahres fortgesetzt haben.

Die Arbeitsämter wurden stärker an der Bewerbersuche beteiligt: 37% aller offenen Stellen waren ihnen gemeldet, nach 33% im vierten Quartal 2000. Im Westen betrug die Meldequote zuletzt 36%, im Osten 44%. Immer mehr Stellen werden im computergestützten Stellen-Informations- Service (SIS) angeboten, jede siebente im Westen und jede fünfte im Osten. Die Zeit vom Beginn der Bewerbersuche bis zur Arbeitsaufnahme dauerte in Westdeutschland im Jahr 2001 durchschnittlich 76 Tage und in Ostdeutschland 64 Tage (Suchzeit). Da die Betriebe normalerweise vor dem frühestmöglichen Besetzungstermin auf Bewerbersuche gehen, sind die Stellen aber sehr viel kürzere Zeit vakant, und zwar im Westen 27 Tage, im Osten 14 Tage (Vakanzzeit). Das sind die kürzesten Vakanzzeiten seit 1998. In Zeiten geringer Kräftenachfrage werden offensichtlich Stellen von den Betrieben allgemein schneller besetzt als in nachfragestarken Zeiten. Darüber hinaus dürften aber auch verstärkte Vermittlungsanstrengungen der Arbeitsämter von Einfluss gewesen sein. Immer mehr Personen beenden oder vermeiden Arbeitslosigkeit durch Gründung einer selbständigen Existenz; mittlerweile startet jeder Vierte, der sich selbständig macht, aus der Arbeitslosigkeit. Arbeitslose Existenzgründer werden dabei von den Arbeitsämtern unterstützt. Überbrückungsgeld vom Arbeitsamt sichert den Lebensunterhalt in den ersten sechs Monaten der Selbständigkeit; im Jahr 2001 nahm etwa jeder fünfte Existenzgründer diese Leistung in Anspruch. Die Förderung ist im laufenden Jahr kräftig ausgeweitet worden; seit Januar wurden schon 69.000 Anträge auf Überbrückungsgeld bewilligt, durch die Bereitstellung zusätzlicher Mittel ist für das ganze Jahr mit rd. 130.000 zu rechnen – im Vergleich zu 96.000 im Vorjahr. Dieser Anstieg beruht auch darauf, dass mit dem Job-AQTIV-Gesetz vom ersten Tag der Arbeitslosigkeit an gefördert werden kann und nicht erst nach Ablauf von vier Wochen. Untersuchungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigen, dass es sich beim Überbrückungsgeld um ein effizientes Instrument der Arbeitsmarktpolitik handelt. So waren bei früheren Förderjahrgängen 70% der Geförderten drei Jahre nach der Gründung immer noch selbständig; außerdem beschäftigte jeder erfolgreiche Existenzgründer durchschnittlich einen neuen Mitarbeiter.

Das Wirtschaftsleben erfordert regionale Mobilität, auch um Arbeitslosigkeit zu beenden. Damit verbundene Mehraufwendungen können in unterschiedlichen Formen vom Arbeitsamt übernommen werden; dadurch wird eine berufliche Eingliederung oft überhaupt erst ermöglicht.

So sieht das SGB III „Mobilitätshilfen" bei Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung vor: Übergangsbeihilfen für den Lebensunterhalt bis zur ersten Arbeitsentgeltzahlung, Ausrüstungsbeihilfen für Arbeitskleidung und Arbeitsgerät, Reisekostenbeihilfen für die Fahrt zum Antritt der Arbeitsstelle, Fahrkostenbeihilfen für tägliche Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstelle, Trennungskostenbeihilfen für getrennte Haushaltsführung sowie Umzugskostenbeihilfen

Seit Januar 2001 können arbeitslose Jugendliche in Arbeitsamtsbezirken mit überdurchschnittlicher Jugendarbeitslosigkeit Mobilitätshilfen im Rahmen des Jugendsofortprogramms erhalten, und zwar für einen Umzug, wöchentliche Familienheimfahrten oder sozialpädagogische Betreuung.

Darüber hinaus fördern viele Arbeitsämter die Mobilität aus Mitteln der Freien Förderung; so beteiligen sie sich an Kosten des Bezugs einer neuen Wohnung (Maklergebühren, Mietkautionen, Einrichtungsbeihilfen), aber auch an Kinderbetreuungskosten bei ungünstigen Arbeitszeiten. Alles in allem wurden in den ersten sieben Monaten dieses Jahres rund 100.000 derartige Leistungen gewährt; am häufigsten Fahrkostenbeihilfen, also Mehraufwendungen für Berufspendler. Umzugskosten bilden dagegen nur einen geringen Teil der vielfältigen Fördermöglichkeiten.

Die schwache Konjunktur hinterlässt auf dem Ausbildungsstellenmarkt immer deutlichere Spuren.  So lag die Zahl der gemeldeten betrieblichen Ausbildungsplätze mit bundesweit 509.900 mittlerweile um 7 Prozent unter der Vorjahressumme (West: -7 Prozent; Ost: -10 Prozent). Am stärksten waren die Abnahmen im Handwerk, aber auch in Industrie und Handel (-11 Prozent bzw. -6 Prozent). Dagegen sind bisher etwas mehr außerbetriebliche Ausbildungsstellen eingerichtet worden (+2 Prozent auf 22.100).  Gleichzeitig haben 665.600 Bewerber die Arbeitsämter bei der Vermittlung eines Ausbildungsplatzes eingeschaltet, 4 Prozent weniger (West und Ost: jeweils -4 Prozent); aber dies reflektiert vermutlich keine entsprechend geringere Nachfrage. Ende Juli waren 96.200 Ausbildungsstellen noch unbesetzt, inzwischen 16 Prozent weniger als vor Jahresfrist (West: -18 Prozent; Ost: -5 Prozent). Zugleich waren 208.900 Bewerber noch nicht vermittelt, 4.600 oder 2 Prozent mehr (West: +5 Prozent; Ost: -3 Prozent). Die Differenz zwischen unbesetzten Ausbildungsstellen und noch nicht vermittelten Bewerbern ist damit - und zwar ausschließlich im Westen - beträchtlich größer als vor einem Jahr. Auch wenn diese Lücke in den letzten beiden Monaten des Berufsberatungsjahres immer kleiner wird, deutet derzeit alles auf ein rechnerisches Lehrstellendefizit hin, es sei denn Betriebe und Verwaltungen richten zusätzliche Ausbildungsstellen ein. Dies liegt wegen des absehbaren Rückgangs von Ausbildungsplatzbewerbern auch im Interesse der Wirtschaft.

Quelle: Bundesanstalt für Arbeit, Nürnberg. Der komplette Bericht ist unter http://www.arbeitsamt.de/hst/services/presseinfo/54_02.pdf verfügbar.