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Sekt oder Selters? Das aktuelle PROFILO-Ranking der Jobbörsen regt zum Nachdenken an

20.10.2006/ghk. Die gestern veröffentlichen Jobbörsen-Ranking-Zahlen der Hamburger PROFILO-Rating Agentur dürften die Verantwortlichen von Monster Deutschland in Bad Homburg vor eine knifflige Entscheidung gestellt haben. Galt es doch, die hervorragenden Ergebnisse des Seriensiegers Jobpilot und das nicht ganz so berauschende Abschneiden von Monster zu feiern. Sekt oder Selters - das war die Frage.

Wenn es nach dem Willen der Marketing-Strategen der Monster-Mutter in New York gegangen wäre, dann wäre Marktführer Jobpilot nach der Übernahme durch Monster im April 2004 noch im selben Jahr von der Bildfläche verschwunden - so wie es in der langfristigen Expansions- und Übernahmestrategie des weltweit operierenden Karriere-Konzerns noch immer praktiziert wurde. Doch offensichtlich haben die New Yorker die Rechnung ohne den deutschen Wirt, sprich die Kunden gemacht. Hartnäckig verteidigten Bewerber und Personalentscheider ihre über Jahre gewonnene Überzeugung, daß die Jobbörse Jobpilot schlicht das "Maß aller Dinge" sei. Letztendlich führte diese Kundentreue zu einem Umdenken in den Chef-Etagen in Bad Homburg. Nun wurde aus der Not eine Tugend gemacht - die "Zwei-Marken-Strategie" mit dem fortwährenden Betrieb von Jobpilot wurde offiziell abgesegnet.

Als nun gestern die Hamburger Jobbörsen-Rating-Agentur PROFILO die neuesten Jobbörsen-Ranking-Zahlen vorlegte, hielten sich die Überraschungen in Grenzen. Insgesamt gaben Personalentscheider 525 Bewertungen über 26 verschiedene Jobbörsen zu Protokoll, doch nur elf Karrier-Portale konnten die Mindestzahl von 10 Bewertungen auf sich ziehen, um eine statistische Mindestrelevanz zu sichern.


Quelle: PROFILO-Ranking Oktober 2006

Die durchschnittliche Gesamtbewertung verschlechterte sich geringfügig von der Note 2,63 auf nunmehr 2,69, doch bei den einzelnen Jobbörsen gab es doch etwas Bewegung in der Rangliste. Bei der Gesamtnote (von 1,0 = Sehr gut bis 6,0 = Ungenügend) bewerten Personalverantwortliche Jobbörsen nach Kriterien wie Benutzerfreundlichkeit, den Service, die Kundenbetreuung, das Preis-/Leistungsverhältnis, die Qualität und Quantität eingehender Bewerbungen und die Bewerberdatenbank.

Das Karriereportal Jobstairs, eine Gemeinschaftsgründung der großen Konzerne in Deutschland, rangierte ausser Konkurrenz mit einer Bewertung nach dem Schulnotensystem von 1,82. Hier vermuten die Marktforscher von PROFILO zu Recht eine Interessenkollision, weil die Personalchefs ihr eigenes Konzept einer Gemeinschafts-Jobbörse nicht ohne Not schlecht machen möchten. Deshalb wurde folgerichtig das Prädikat "ausser Konkurrenz" an Jobstairs vergeben. Die Spezial-Jobbörse "Ingenieurkarriere" wurde von den HR-Verantwortlichen wie vor Jahresfrist mit dem besten Gesamtergebnis (Schulnote 2,34) eingestuft.


Quelle: PROFILO-Ranking Oktober 2006

Die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit sollte als steuer- und abgabenfinanziertes Portal eigentlich auch ausser Konkurrenz laufen, doch die Personalentscheider kümmerten sich eher weniger um solche feinen Unterschiede und stuften das Online-Stellenportal der Arbeitsagentur mit einer Gesamtnote von 3,31 mit dem zweitschlechtesten Ergebnis ein.

 
Quelle: PROFILO-Ranking Oktober 2006 (*Jobstairs: ausser Konkurrenz)

Das Eisberg-Syndrom

Obwohl Jobbörsen seit mittlerweile über zehn Jahren in Deutschland die Vorteile des Web-basierten Recruiting bieten, leidet der Markt unter einer hohen Intransparenz. Mit über 800 Jobbörsen ist das e-Recruiting in Deutschland unübersichtlich. Die Online-Jobbörsen versuchen  sich weitestgehend einer quantitativen und qualitativen Vergleichbarkeit hinsichtlich der Anzahl Stellenangebote, Besucherfrequentierung oder gar Bewerber-Resonanz zu entziehen und setzen auf Reichweitenstrategien, Channel-Konzepte und andere Varianten der Positionierung. HR-Verantwortliche, die eigentlich von einer besseren Markttransparenz bei den Jobbörsen-Anbietern besonders profitieren könnten, praktizieren ihrerseits Zurückhaltung bei der Mitwirkung an Marktforschungs-Projekten wie beispielsweise dem nun vorgelegten PROFILO-Ranking.

So verwundert es eigentlich, daß bei der hohen Anzahl von geschalteten Online-Stellenangeboten vergleichsweise wenige Personalverantwortliche bereit sind, ihre Erfahrungen und Bewertungen kund zu tun und im Peer-Vergleich von den Erfahrungen anderer Arbeitgeber zu profitieren. Da nehmen sie das Eisberg-Syndrom mit der grossen unsichtbaren Masse in Kauf.

Erfahrungen aus den USA und Großbritannien zeigen auf, dass sich ein Trend zu Nischen-Jobbörsen, Branchen- und Berufsspezialisten manifestiert. Dieser Trend gilt auch für Deutschland, doch Bewertungen dieser Jobbörsen mit teils hochqualifizierten oder spezialisierten Stellenanzeigen sind Fehlanzeige.

Monster Deutschland veröffentlichte beispielsweise nach eigenen Aussagen im September über 227.710 Stellenanzeigen, nicht zuletzt dank einer intensiven multimedialen Werbekampagne. Vergleichbar bescheiden war die Mitwirkung am der Marktforschungskampagne: lediglich 80 Personalverantwortliche fanden sich zu einer Beurteilung der Monster-Jobbörse bereit.

Bei der Mitte September 2006 neu lancierten Jobbörse FAZjobs.net (www.FAZjobs.net) werden mittlerweile über 22.000 Stellenanzeigen von 1400 Firmen geschaltet, doch eine Bewertung der Jobbörse der klugen Köpfe durch Personalchefs ist noch nicht erfolgt.

Der internationale Marktführer für Stellenanzeigen der Finanzwirtschaft, die in London domizilierte eFinancialCareers bieten in Deutschland  (www.efinancialcareers.de) über 1100 Stellenanzeigen an, für die Branche des Hotel- und Gaststättengewerbes mit seiner ausgeprägten Fluktuationsrate bieten die Jobbörsen www.hotel-career.de  oder der Stellenmarkt der Allgemeinen Hotel- und Gaststättenzeitung (http://www.ahgz.de/stellenmarkt/) über 5.400 aktuelle Stellenangebote für Bewerber an.

Jobbörsen wie salesjob  (http://www.salesjob.de/) mit 5370 Stellenangeboten, Kalaydo (http://www.kalaydo.de/iad/job) mit 2.300 Angeboten, der Stellenmarkt der Süddeutschen Zeitung http://stellenmarkt.sueddeutsche.de/ mit 4.200 Stellenanzeigen, Michael Page International  (http://www.michaelpage.de/) mit 1.800 Vakanzen für Finanz-Spezialisten, Ingenieuren oder dem Salesbereich und Worldwidejobs (www.Worldwidejobs.de) mit 68.800 Stellenanzeigen spielen für den e-Recruiting-Markt eine spezialisierte und wichtige Rolle. Doch sie alle leiden unter dem Eisberg-Syndrom der Personalentscheider: Bei den halbjährlichen Rankings sind sie einfach (noch) nicht sichtbar.

+++ Ein Presse-Service von Crosswater Systems Ltd. zu den Themengebieten e-Recruiting, Jobbörsen, Arbeitsmarkt, Personaldienstleistungen, Human Resources Management +++