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Ausbildungsstart: Zeit für eine Landpartie?

[Crosswater Systems] 16.7.2008

Editorial: Die Wiederentdeckung der Bildungsreise

Bildungspolitik ist in Deutschland Chefsache. Und dennoch: Auch der zweite Nationale Bildungsbericht der Kultusministerkonferenz fördert nach wie vor Alarmierendes zu Tage. Danach haben vier von zehn Jugendlichen ohne Schulabschluss oder mit Hauptschulabschluss auch zweieinhalb Jahre nach Verlassen der Schule noch keinen Ausbildungsplatz.

Johannes Hack

Johannes Hack

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht die Ursache des Lehrstellenmangels für Hauptschulabgänger in der schlechten Qualifikation: Etwa 20 Prozent der Jugendlichen könnten gerade mal auf Grundschulniveau lesen, schreiben und rechnen. Unter anderen Voraussetzungen, so der DIHK-Geschäftsführer Martin Wansleben, könnten mindestens 30.000 Ausbildungsplätze mehr angeboten werden.

Damit stellt sich die Frage, ob die Einführung eines Ausbildungsbonus für Betriebe, die so genannten „benachteiligten Jugendlichen“ eine Lehrstelle geben, auf große Akzeptanz bei den Ausbildungsbetrieben stößt – und ob die Investition nicht unter Umständen fehlgeleitet ist.

Fakt ist in jedem Fall: Die Bildungsausgaben in Deutschland liegen unter dem OECD-Schnitt, so der Nationale Bildungsbericht, und halten nicht mit dem Wirtschaftswachstum Schritt. Und während Angela Merkel die abstrakte Vision von der „Bildungsrepublik Deutschland“ verfolgt und sich im Rahmen einer „Bildungsreise“ so zu sagen ein Bild machen möchte, fordert die Opposition den „Bildungssoli“. Es bleibt also weiterhin spannend.

Erfahren Sie in dieser Ausgabe des JobScout24 Arbeitsmarkt-Tickers, in welchen Bereichen Schulabgänger und Berufseinsteiger vergleichsweise gute Chancen haben, wie sich das Stadt-Land-Gefälle bemerkbar macht, was es mit der Zahl 19,48 auf sich hat und wer nach Meinung der JobScout24 Nutzer an der deutschen Ausbildungsmisere Schuld ist. Elisabeth Listl, Projektleiterin sprungbrett des Bildungswerks der Bayerischen Wirtschaft e.V., schießlich zeigt auf, welches Potential Praktika eigentlich haben.

Viel Vergnügen bei der Lektüre wünscht Ihnen

Ihr Johannes Hack
CEO der JobScout24 GmbH

Zahlen, Daten, Fakten. Der deutsche Arbeitsmarkt im Juni 2008

Jobs.de, die Jobsuchmaschine der JobScout24 GmbH, hat den deutschen Arbeitsmarkt im Blick. Über eine Million Websites deutscher Unternehmen werden täglich nach Stellenanzeigen durchsucht. Die daraus generierten Daten wertet die JobScout24 GmbH monatlich nach Bundesländern und Großstädten, Tätigkeitsbereichen sowie den ausgeschriebenen Positionen aus. Um die absolute Zahl der ausgeschriebenen Stellen in den jeweiligen Regionen zur Größe des Bundeslandes bzw. des Ballungsraums ins Verhältnis zu setzen, betrachten wir im Folgenden die Zahl der Erwerbstätigen, die auf eine Vakanz kommen. Dieser Wert verhält sich umgekehrt proportional zur Anzahl der freien Stellen: Je niedriger die Zahl der Erwerbstätigen pro ausgeschriebener Stelle ist, desto besser sind die Chancen für Bewerber in der entsprechenden Region.

Rheinland-Pfalz ist Azubi-Mekka, Thüringen und Niedersachsen sind erstmalig in den Top Ten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 




*) Die Anzahl der Erwerbstätigen pro ausgeschriebener Stelle basiert auf zwei Quellen: Das statistische Bundesamt liefert die aktuellen Zahlen der Erwerbstätigen (Stand Dezember 2005), Jobs.de die Zahl der Vakanzen in den einzelnen Regionen.

Der positive Trend, der sich bereits in den ersten Monaten dieses Jahres im gesamten Bundesgebiet abzeichnete, setzt sich auch im Juni fort: Kamen im Januar noch 164 Erwerbstätige auf eine Vakanz, so liegt dieser Wert im Juni nun bei 131. Leichte Bewegung ist in den Top Ten der Bundesländer zur verzeichnen: Neu unter den ersten Zehn sind Thüringen und Niedersachsen auf den Plätzen 9 und 10, die im Vormonat noch von Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein belegt wurden. Damit hat es Thüringen, das im Mai noch Platz 13 inne hatte, erstmalig in die Top Ten geschafft. Gleiches gilt für Niedersachsen mit einem Sprung von Rang 11 auf 10. Betrachtet man die bundesweite Verteilung der Ausbildungsplätze, so liegen Rheinland-Pfalz mit 3 Prozentpunkten sowie Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein mit jeweils 2 Prozentpukten über dem Mittelwert von 4 Prozent. Unterdurchnittlichen Anteil an Ausbildungsplätzen bieten Bayern, Berlin, Hamburg, Hessen, Sachsen und Thüringen mit jeweils 3 Prozent.

Der Notnagel für Schulabgänger und Berufseinsteiger: das Praktikum


Auch in diesem Monat liegen die Jobs für Angestellte ohne Leitungsfunktion mit einem Anteil von 68 Prozent unangefochten an der Spitze. Wer seine berufliche Laufbahn allerdings gerade erst startet, der muss sich mit deutlich weniger Auswahl zufrieden geben: Lediglich 4 Prozent aller ausgeschriebenen Stellen sind Ausbildungsplätze. Noch spärlicher gesäht sind mit einem Anteil von 3 Prozent die Vakanzen, die sich an Berufseinsteiger mit abgeschlossener Ausbildung oder Studium wenden. Auch hier macht sich wieder der Trend zur „Generation Praktikum“ bemerkbar: 9 Prozent aller Ausschreibungen sind Praktika.

Gute Chancen für Berufseinsteiger und Schulabgänger in IT und technischen Berufen



Deutschlandweit ist auch in diesem Monat wieder die Informationstechnologie mit einem Anteil von 16 Prozent aller ausgeschriebenen Stellen führend, dicht gefolgt von den technischen Tätigkeiten mit 14 Prozent. Diese beiden Bereiche bieten im Vergleich auch die besten Chancen für Azubis und Berufseinsteiger. Die Top Five der aussichtsreichsten Tätigkeitsfelder für Auszubildende sind technische Tätigkeiten (13,37%), Informationstechnologie (13,26%), Dienstleistungssektor (11,82%), Organisation & Verwaltung (9,65%) und Finanzen & Controlling (3,53%). Berufseinsteiger haben die besten Chancen in den Bereichen Informationstechnologie (19,48%), technische Tätigkeiten (17,98%), Consulting & Projektmanagement (13,72%), Marketing (10,07%) und Vertrieb (9,6%).

Großstädte bieten kaum Ausbildungsplätze

Der auf der gesamten Bundesebene zu verzeichnende positive Trend macht sich auch in den Metropolen bemerkbar. Leichte Bewegung gibt es im Ranking der 10 größten deutschen Städte, wo Frankfurt und Essen die Plätze getauscht haben. Berufseinsteiger sollten einen Umzug nach Frankfurt, Essen oder München in Erwägung ziehen, wo der Anteil der Einstiegspositionen mit je 5 Prozent zwei Prozentpunkte über dem bundesdeutschen Schnitt liegt. Was die Ausbildungsplätze angeht, so liegen fast alle Metropolen unter dem Mittel von 4 Prozent – mit Ausnahme von Bremen und Dortmund mit ebenfalls je 4 Prozent Azubistellen. Einzig Essen kann mit einem Prozentsatz von 6 eine überdurchschnittlich hohe Quote vorweisen. Fazit: Wer einen Ausbildungsplatz sucht, sollte sich abseits der großen Städte umsehen.



Die Zahl des Monats: 19,48

19,48 Prozent aller Vakanzen für Berufseinsteiger sind im Tätigkeitsbereich Informationstechnologie angesiedelt.


Der Jobs.de Index: Aufwind hält an

Der Jobs.de Index (kurz: JI) zeigt auf einen Blick, wie sich die Arbeitsmarktlage in Deutschland seit Januar 2007 entwickelt hat. Errechnet wird der JI aus der Gesamtzahl der ausgeschriebenen Stellen, die Jobs.de, die Jobsuchmaschine der JobScout24 GmbH, durch die Indexierung von ca. einer Million Websites deutscher Unternehmen findet. Dieser absolute Wert wird in einen Index umgewandelt, der im Januar 2007 bei 100 startete. Der kontiniuierliche Aufwärtstrend, der sich im Februar 2008 nach einer kurzen Flaute zum Jahresende 2007 eingestellt hatte, hält weiter an: Mit einem Wert von 123,9 Punkten erzielte der Jobs.de Index erneut den Höchststand seit Januar 2007 und liegt satte 17,6 Punkte über dem Vorjahreswert vom Juni 2007.

Nachgefragt: Wer ist Ihrer Meinung nach Schuld an der deutschen Ausbildungsmisere?

Mit dem Ende des Schuljahres beginnt für viele Schulabgänger ein neuer Lebensabschnitt. Doch auch in diesem Jahr werden im Rennen um die spärlich gesähten Lehrstellen wieder einige potentielle Azubis leer ausgehen. Grund genug, sich zu fragen, wer Schuld ist an der deutschen Ausbildungsmisere. Gut ein Viertel der Befragten sieht die Regierung in der Pflicht, mit geeigneten Maßnahmen gegenzusteuern. Jeweils gut 21 Prozent sehen das Problem wahlweise im veralteten Bildungssystem oder im mangelnden Engagement der Schüler begründet. Nur knapp 10 Prozent sind hingegen der Meinung, dass deutsche Unternehmen zu wenig Ausbildungsplätze schaffen.


*) An dieser Umfrage vom Juni 2008 haben sich insgesamt 694 JobScout24 Nutzer beteiligt.
 

Zu Gast: Elisabeth Listl, Projektleiterin sprungbrett, Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft e.V

Berufsorientierung am „lebenden Objekt“: Wenn Praktika noch Praktika sind…

Elisabeth Listl

Elisabeth Listl

Kaffeekochen, kopieren, Botengänge erledigen und Mitarbeiter bei der Arbeit behindern – das sind die üblichen Klischees eines Praktikums. Wenn es tatsächlich nur daraus besteht, ist es schade um die vertane Zeit. Mittlerweile sehen aber immer mehr Unternehmen auch die Vorteile eines Praktikum oder anderweitigen Engagements für Berufsorientierung: Sie können künftigen Unternehmensnachwuchs frühzeitig auf sich aufmerksam machen und in „Echt-Situationen“ kennenlernen, Öffentlichkeitsarbeit für die eigene Firma oder Branche betreiben und aktiv dem drohenden Fachkräftemangel entgegenwirken.

Die möglichen Problematiken bei einem schlecht verlaufenden Übergang von der Schule ins Berufs- oder Studienleben wiegen nicht nur für den Einzelnen, sondern auch gesamtgesellschaftlich schwer. Aus diesem Grund bedarf es funktionierender Netzwerke und Projekte, die beide Seiten – also Schule und Arbeitswelt – bei dieser Aufgabe funktionell unterstützen.

In Bayern etabliert sich aktuell die Plattform www.sprungbrett-bayern.de, ein Onlineportal zur Berufsorientierung und Kooperation zwischen Schule und Arbeitswelt. Schon jetzt ist sprungbrett die größte und bayernweit einzige Praktikums- und Berufsorientierungsbörse mit rund 6.700 Angeboten. Unternehmen haben hier die Möglichkeit, Anzeigen für Schüler- und Lehrerpraktika aufzugeben. Oder sie bieten weitere Kooperationen wie z.B. Betriebserkundungen, fachlichen Input im Unterricht, Führungskräfteaustausch mit einem Schulleiter oder einfach nur Materialien für den Unterricht an.

Vorteile dieser Lösung: sämtlicher Aufwand für die Betriebe ist individuell plan- und steuerbar, die Zielgruppen können genau definiert und kommuniziert werden und die Nutzung des Portals ist rundum kostenfrei. Außerdem kann über sprungbrett Schule-Wirtschaft-Kooperation als Instrument der Personalentwicklung eingesetzt werden, indem nicht nur Ausbilder oder Personaler mit den Schulen in Kontakt sind. Warum sollten nicht auch Mitarbeiter anderer Abteilungen wie z.B. Marketing, Recht, Steuern, Buchhaltung oder F&E fachlichen Input und aktuellstes Wissen an die Schulen bringen?

Gerade dieses Thema des interdisziplinären und fachübergreifenden Austauschs gewinnt an Brisanz: über die aktuellen Schulreformen wird Projektarbeit mit Partnern aus der Arbeitswelt immer stärker im Schulleben verankert. Schon in diesem Sommer können Projektpartnerschaften über sprungbrett vermittelt werden.

www.sprungbrett-bayern.de ist ein Projekt des Bildungswerks der Bayerischen Wirtschaft e. V. und des Arbeitskreises SCHULEWIRTSCHAFT Bayern. Es wird u.a. gefördert vom Bayer. Wirtschaftsministerium und den Bayer. Arbeitgeberverbänden Metall und Elektro, BayME und VBM, als Hauptsponsoren.

Über die JobScout24 GmbH
Als einer der Pioniere für E-Recruiting steht die JobScout24 GmbH seit Jahren für Transparenz und Orientierung im Arbeitsmarkt. Unter ihrem Dach sind die Marken JobScout24 und Jobs.de vereint. Damit verfolgt die JobScout24 GmbH als einer der ersten Anbieter im Markt durch das Zusammenspiel von Online-Stellenbörse JobScout24 und Jobsuchmaschine Jobs.de eine ganzheitliche Produktstrategie. Weitere Informationen finden Sie auch unter www.jobs.de
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